Kolumne: Außer Plan
Ein Wachmann verlässt kurz seinen Posten in einer Abfertigungshalle im Flughafen Newark. Ein Student bemerkt das, schlendert durch die Absperrung, löst dabei natürlich den Alarm aus - und der gesamte Betrieb liegt für geschlagene sieben Stunden im totalen Chaos. Das war kein volltrunkener Randalierer, kein wahnsinniger Terrorist, nein - einfach ein junger Mann, der seine Freundin, die er zum Flieger gebracht hat, noch ein letztes Mal umarmen wollte.
Verrückt.
Sogar die Kamera, die das Paar hätte aufzeichnen, identifizieren können, war gerade außer Betrieb. Mit sowas rechnet man in einem Film, aber hier... Gut, im Film fehlt dann auch meistens der Teil, in dem jemand für dieses Zeichen der Liebe sehr sehr tief in die Tasche greifen oder dann doch hinter Gitter muss oder eventuell Schwierigkeiten mit Tausenden von Leuten bekommt, die wegen ihm wichtige Termine verpasst haben.
Wer weiß was dieser eine Mensch mit seiner Umarmung alles verändert hat, an diesem Tag und vielleicht noch lange danach. Es ist auf jeden Fall ein Beweis dafür, wieviel Macht jeder Einzelne von uns besitzt - und dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft. Nach was für einem Plan auch! Und womit rechnen wir eigentlich wirklich? Haben wir überhaupt Sinn für den eigentlich normalen Irrsinn des Lebens? Wir sind überrascht, wenn im Winter tatsächlich die Rohre zufrieren. Wenn der Zug dann doch pünktlich kommt. Wenn Sechslinge komplett gesund geboren werden, wenn jemand auf die Nationalelf von Togo schießt und ein Politiker betrunken ins Mikro lacht. Heißt das aber, dass wir auf alles vorbereitet sein sollten - oder am besten auf gar nichts?
Es ist doch ALLES möglich. Letzte Woche hat es sogar in Mexico City geschneit.


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