Kolumne: Vernarrt

geschrieben am 16.02.2010 um 21:26 Uhr

 

Rote Nase und rote Ohren, ein Schwindelgefühl und weiche Knie - und dafür musstest du gar nicht erst krank werden. Der Schnee der vom Himmel rieselt mischt sich mit süßen Bonbons, außer Frost hast du auch Puderzucker auf deinem Schal. Erkältungstee und Sekt, Niesende und Küssende, Herzballons an einer Laterne und da läuft ein Kind das aussieht wie ein Löwe, zwar ein kleiner, frierender, aber endlich spielt die Stadt einmal nicht nur wegen der Kälte verrückt. Ein fabelhafter Februar! Nicht wahr? Du willst laut Helau rufen! Und dann blickst du in der S-Bahn in die Gesichter. Vorbei. Keine Lieder auf den Lippen, sie sind eng zusammengepresst. Fast kannst du das Rattern in ihren Köpfen hören. Die Räder der Arbeitsprobleme greifen unentwegt in die Räder der ewigen Alltagssorgen, wie kleine Fabriken die anscheinend für eine Großbestellung Angst produzieren. Plötzlich fragst du dich, ob es peinlich ist, und unpassend, mit roter Plastiknase in die angespannte Luft zu grinsen. Außerdem bist du spät dran, was auch kein Grund ist, vor sich hinzusummen. Und hoffentlich kommt die Handyrechnung erst nächste Woche, warum hast du bloß diesen ganzen Valentinskram gekauft, und der Sekt war auch nicht billig, wer weiß, ob du überhaupt was bekommst, außer der Rechnung. Mist, du hättest hier aussteigen sollen, dann hättest du die U2 noch gekriegt. Was guckt der da denn so - hast du etwa doch noch Puderzucker am Kinn? Oh nein, und das ist auch noch der Typ von der Party letzte Woche!

Hektisch wischst du dir über den Mund, nimmst die Nase ab, darunter juckt es eh schon die ganze Zeit. Aber zu spät, du hast dich schon angesteckt. Mit nervöser, schlechter Laune. Du Narr! Die Räder in deinem Kopf arbeiten schneller und lauter. Und als hätte jemand dazu auch noch eine Platte aufgelegt, die einen Sprung hat, hörst du immer wieder bloß: "Mist, Mist, Mist!"

Diese Epidemie verdirbt gerne jeden Spaß, ist leider so verbreitet wie der Schnupfen, wird sogar noch schneller übertragen, und immun ist dagegen auch keiner. Aber es gibt Gott sei Dank auch hierfür eine Medizin: Einfach mal eine neue Platte auflegen. Und wenn es im Plattenladen in deinem Kopf immer nur die gleichen traurigen und wütenden Songs gibt, ist es wirklich Zeit für neue Musik. Drück auf Stop. Nimm die Nadel von der Mist-Platte. Und jetzt überleg: Was für Musik soll da laufen, in deinem Laden. Und natürlich kannst du immer wieder was Neues auflegen! Fällt dir schon was ein? Wenn nicht - vielleicht haben Freunde von dir einen Vorschlag. Es kann manchmal nämlich sehr schade sein, wenn jemand immer wieder die gleiche Musik spielt.

An der nächsten Station steigt vielleicht jemand mit einer roten Plastiknase ein, so eine wie du sie gerade in der Tasche versteckt hast. Und eins ist sicher: Du kannst ihn anstecken. Und er dich auch. Und vielleicht habt Ihr dann ein Kratzen im Hals und Kopfschmerzen. Oder einfach richtig schlechte Laune. Oder es ist plötzlich alles gar nicht mehr so dunkel, und Ihr freut Euch auf irgendwas. Ja oder...Ihr habt Fußballfieber :)


 

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Es ist einfach alles zuviel. Das Schlüsselsuchen hat ewig gedauert,deine Schrippe landet statt in deinem Mund auf der Straße... mehr auf sam

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