Kolumne: Die Waage

geschrieben am 02.03.2010 um 13:42 Uhr

Warum fällt uns das so schwer. Wir wissen, dass sich die Platten unserer Erde verschieben. Wir wissen, dass Vulkane ausbrechen, Stürme mehr als Bäume ausreißen, das Meer unser Feind sein kann. Strom kann ausfallen. Menschen können sterben. Es gibt keine Garantie, und wir können nie auf „Pause“ drücken. So ist es einfach. Warum haben wir immer noch nicht gelernt, damit umzugehen, wie  - sagen wir -  die Aborigines? Sie wissen von der Waage des Lebens, von Gottes Plan, von ihren Aufgaben für diese Welt. Finden Vertrauen und Fülle im totalen Chaos, in dem wir oft nur Sinnlosigkeit und Leere sehen wollen.      

Aber sie ist da, die Waage des Lebens, und auch wenn jeder von uns ganz gerne mal nur auf der einen Schale bleiben will, es sind nunmal zwei, und nichts kann verhindern, dass wir immer wieder von der einen zur anderen springen. Jetzt können wir uns einreden, es gäbe einfach nicht genug Platz für alle Menschen auf der einen Seite, aber da wir ja alle lachen und weinen, leben und sterben können, wandern wir auch alle hin und her, weil die Waage sonst umfällt, und das will ja keiner. Wir können nicht sehen oder abmessen, wie viele in diesem Moment auf der linken oder auf der rechten Seite sind, aber irgendwie wissen wir doch, dass Glück und Leid gleich viel wiegen. Es ist auf jeden Fall genug von beidem da, und die Waage steht nie ganz still.     

Wir haben aber etwas mit den Aborigines gemein, etwas, das diese Waage zusammenhält, trotz allem das Gleichgewicht schafft, auch wenn es bei uns eher unbewusst ist: Mut. Jeder hat Mut. Mut wohnt in Dir, weil Du ein Mensch ist, und Punkt. Wir ignorieren das, weil wir oft nicht glauben können, genug Kraft für alles zu haben. Aber die haben wir. Und niemand ist furchtlos, und Mut heißt, etwas mit Angst zu tun. Wer das begriffen hat, macht einfach weiter, auch wenn die Zeichen auf Sturm stehen. Und wir machen ja auch weiter, feiern überschwänglich jeden Sport, stellen weiße Schokohasen her, tanzen bei den ersten Frühlingstemperaturen um den Grill, ziehen mit Kind und Kegel in eine andere Stadt, fliegen um die halbe Welt für einen Vertrag oder um ein paar Tage aus Kokosnüssen zu trinken und, naja, posieren auch mal nackt vor dem Opernhaus in Sydney. Das alles zeigt doch, dass wir etwas richtig machen. Wir feiern das Leben, auch wenn dazu das Leid gehört. Ohne Dunkelheit kein Licht, und ohne Schmerz kein Glück. Und genau aus dem Grund machen wir weiter, auf diesem Planeten, der uns so ähnlich ist, mit seinem Chaos, seiner „Natur“, seiner unfassbaren Schönheit und Gewalt. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht, wir gehören zusammen. Und auch er macht wie wir immer weiter, bewegt sich, bewegt uns, auf unseren gemeinsamen Bahnen um diese Sonne. Mit ungefähr 30 Kilometern pro Sekunde. Und bei dem Tempo springen wir auch noch zwischen den Waagschalen hin und her! Unfassbar, die Menschen. Ja, auch Du! Nur Mut!

 

#1 | apollonia974 schreibt am 03.03.2010 um 09:31 Uhr

Ein wunderbarer Artikel,
das macht wahrlich Mut. ;)

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