Kolumne: Paradies
Neun Tage hat es gebraucht, und es ist leider schon fast ein Weltwunder: in Sydney wurde ein Elefant geboren. Weil keiner mehr wirklich geglaubt hat, dass er überhaupt noch lebt. Und weil er einer der letzten seiner Art ist.
Gehen wir mal davon aus, dass es auf dieser Welt Natur gibt, weil sie sonst eingehen würde. Dann gibt es hier ja auch Menschen, und hier können wir vermuten, dass das ein wirklich schlauer Plan für eine Symbiose ist. Mensch und Natur, Geben und Nehmen, Nehmen und Geben... das klingt so... so biblisch. Genauer: utopisch. Wie Paradies. Und dass wir eben nicht mit Allem in Eintracht leben wie Adam und Eva in Eden, das sieht zum Beispiel so mancher Zollbeamte jeden Tag, wenn er Schlangenschnaps und Tigerschädel aus dem Verkehr zieht.
Das hier ist kein Test, das mit der Natur, den Tieren. Gut, ein paar viele von uns haben das vielleicht nicht gewusst, oder nicht bedacht, oder ignoriert oder so, an erster Stelle steht ja das Überleben, also jagen, fischen und handeln wir was das Zeug hält. Nur die Wirtschaft zählt... das scheint zu stimmen, und man schiebt ja gerne die Krise vor. Es ist aber wirklich eine ganz einfache Rechnung: Ohne Natur keine Wirtschaft.
Wir Menschen üben ihn immer noch, diesen Weitblick, und du bist einer von ihnen, und du machst deine Sache sicher schon mal gut. Dein Zahnputzbecher besteht nicht aus Elfenbein und in der Schule und im Büro sitzt auch wirklich keiner auf Elefantenfußhockern. Gut. Wir Deutschen haben kaum noch Eier aus Legebatterien gekauft, und die Hühnerhölle wurde hier abgeschafft. Mit ein paar Cent mehr pro Ei machen wir also viele Hühner glücklich. So ein bisschen wie im Paradies. Weiter so. Die Artenschutzkonferenz kämpft, und wir fragen mal ganz genau nach, was wir da in unsere Sushi rollen oder welcher Hai in unseren Fish&Chips landet.
Das hier ist nicht mehr das Paradies. Aber wir können noch die Reste retten. Nein, müssen. Die Welt ist kein Fass ohne Boden, es wird kein Wunder der Thunfischvermehrung geben, Mahagoni kann man nicht im Labor züchten, und Knut sollte sich besser fortpflanzen. Und der kleine Elefant natürlich auch. Töörööö!"


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