Kolumne: Risiko
Sagen wir mal: Das Leben ist wie ein Jahrmarkt. Mal ist man eine gefühlte Ewigkeit auf dem langsamen Riesenrad (des Alltags) und fragt sich, wann es wieder nach oben geht und man endlich wieder den Überblick hat. Das Familientreffen war wie das Spiegelkabinett (wobei sich da ein zweiter Blick immer mal lohnt) und mit gewissen Menschen wird jede Begegnung wie Autoscooter ohne Regeln aber dafür mit Vollgas. Und dann: Tage wie ein großartiger Sonnenuntergang zwischen blinkenden lustigen Buden mit Stofftieren, gebrannten Mandeln und Glühwein.
Wenn das Leben wie ein Jahrmarkt ist, dann ist dieses spezielle Volksfest für alle Menschen natürlich eher unübersichtlich groß und chaotisch - und die Fahrgeschäfte sind auch nicht TÜV-geprüft. Das klingt ja nicht so gut. Bleibe ich mal besser nur bei den Würstchenbuden. Obwohl - ist das hier ein sauberer Stand? Und gesund ist das ja auch dann nicht, oder? Was kann man da machen, außer aus Angst einfach stehenbleiben und nur zusehen.
Angst ist zwar ein verlässlicher, aber kein angenehmer Jahrmarktsbegleiter. Auf der anderen Seite ist Risikofreude aber auch nicht der beste Berater, wenn es um das nächste Fahrgeschäft geht - besonders wenn man nicht alleine unterwegs ist und die Anderen eventuell so gar keine Lust auf den Top Spin haben.
Praktischerweise gibt es hier auf diesem speziellen Jahrmarkt unzählige Buden und Karussells und wenn man sich ein bisschen auskennt, sich auch mal umhört, kann man schon besser ein Risiko von einer echten Gefahr unterscheiden. Und traut sich doch den neuen Job zu. Aber fliegt zum Beispiel erst später nach Bangkok. Oder lässt endlich mal den alten Reaktor von Tschernobyl neu ummanteln. Und trifft auf einer Bohrinsel vielleicht mal ein paar mehr Sicherheitsvorkehrungen als bloß ein automatisches Ventil-Verschlusssystem.
Wem es jedoch mal wirklich zuviel wird mit diesen riesigen schwarzen Schafen des globalen Nervenkitzels: Zu den beliebtesten Attraktionen auf einem Jahrmarkt zählen ja auch die Streichelzoos und Tier-Manegen. Bleiben wir also mal kurz stehen und schauen uns den blauen Storch in der Elbmarsch an, der gerade eine Familie gründet, und freuen uns über diesen Jahrmarkt und seine unendliche, sagenhafte und bunte Vielfalt (mindestens so bunt wie zur Zeit der Rosenthaler Platz). Und auch wenn man gerade von der Achterbahn mit den fünf Loopings runtertorkelt und es jetzt gerne mal ruhiger hätte: kein Problem. Da vorne gibt es bestimmt bald wieder Zuckerwatte...


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