Kolumne: Electric SuperPriest

geschrieben am 17.05.2010 um 22:15 Uhr

Sie lieben sich und sie lieben die Robotik, also haben sich Satoko und Tomohiro vom Roboter i-Fairy trauen lassen. Ein sehr interessanter symbolischer Akt zur verstärkten Integration eben dieser ganzen Helfer, die wir gerne grundsätzlich als selbstverständlich betrachten. Die Zeremonie hatte jetzt nicht ganz so viel mit christlichem Glauben zu tun, und natürlich wurde der Roboter gesteuert, aber versuchen wir doch trotzdem mal einen Vergleich mit unserer Kirche und der wunderbaren Welt der Modernisierung.

Abgesehen von der doch gut geschürten Angst vor dem viel zitierten und beliebig gut und schlecht verfilmten Szenario der emotionslosen kalten Maschinen, die plötzlich, sagen wir durch menschliche Sabotage oder einfach einem zufälligen Stromkurzschluss, die Menschen eliminieren und die Weltherrschaft an sich reißen, erleben wir jeden Tag ungeheuer viele Vorteile durch unsere Technik, warum dann nicht also auch ein paar mehr elektronische Assistenten in den Dienst der Kirche stellen! Das Läuse-Fiasko des Pfingstlagers zieht leider alle Messdiener vom Plan? Kein Problem, in der Sakristei warten zwei humanoide Systeme mit KI-Funktion, also künstlicher Intelligenz; sie können jeden Kirchenraum scannen und sind vom Vatikan-internen Hersteller auf die reibungslose Gabenbereitung programmiert worden. Die Messe kann stattfinden - und wird sicher gut besucht sein, wenn jemand das ins Kirchenblättchen gesetzt hat! Und das ist ja erst der Anfang, das ist eine Marktlücke, keine unbesetzten Stellen mehr, volle Kapellen, der Bischof kann wegen Terminverschiebungen bei der Firmung durch das Modell "PfarrerKath43" ersetzt werden, man muss nur eben die Zeremonie runterladen – wenn das mal nicht modern ist! Soll da noch einer sagen, die Kirche tue sich mit Innovationen schwer! Dann sind wir auf dem Vormarsch und retten unseren Ruf: Kirche ohne diese ganzen gründlich betonten und nachhaltig befürchteten menschlichen Fehler. Keine Patzer, keine Angst, kein Misstrauen und stattdessen "sündenfreie" Vollfunktionalität.

Soso. Hm. Nein.

Sicher tut man zum Beispiel in der Medizin gut daran, menschliche Schwäche oder eben menschliches "Versagen" durch hohen Technikeinsatz zu reduzieren, und Wunder wo wir wären ohne diese bestimmten Bereiche in Banken oder Kernkraftanlagen, zu denen nur Maschinen "Zutritt" haben. Nur: Das ist schon irgendwie so ein bißchen "Menschen eliminieren". Ein Rückzug aus Angst. Weil wir das lieber gar nicht haben wollen, diese Schwäche, dieses mögliche Versagen. Der Chirurg ist übermüdet, der Pilot hat gerade seine Mutter verloren. Also legen wir noch einen drauf und setzen in ein paar Jahren Pflegeroboter in den Altenheimen und Krankenhäusern ein. Das kann ganz wunderbar werden. Aber das ersetzt auf keinen Fall die Diskussion über Menschlichkeit oder Menschsein - dass wir uns persönlich genau so weiterentwickeln und "upgraden" wie unsere Handys. Wie das? Überlegt mal. Und gehen wir mal davon aus dass in den nächsten Jahren eher keine bionischen Chips unsere "dunkle Seite" ausschalten werden und es nicht Usus wird, gegen Dinge wie Schlaf und Hunger und Rachegelüste oder einfach nur gegen den üblichen Motivationsmangel Drogen einzusetzen. Was wären wirkliche Fortschritte, in unserem Denken, in unserem Handeln? Macht mal ein paar Vorschläge. Vielleicht können wir irgendwann das Menschsein dann mal so feiern wie den technischen Fortschritt - mit einer Ausstellung?

So etwas wie die CeBIT für die Seele! :)

 

#1 | Anita Wronski schreibt am 18.05.2010 um 18:24 Uhr

Electiric superpriest find ich grossartig, dann hätte nämlich der echte Pfarrer mehr Zeit. Aber was macht er dann eigentlich in dieser Zeit?

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